Tief verwurzelt – standfest in der Zeit der Wiederkunft

Mangrovenwurzeln in tropischen Gewässern: Verflochtene Mangrovenwurzeln verankern einen üppigen Baum in den kristallklaren, türkisfarbenen Gewässern eines tropischen Paradieses, das von den goldenen Strahlen der Sonne beleuchtet wird.
Adobe Stock - ezra

PODCAST


Die Wiederkunft Jesu ist der Grund unserer Hoffnung. Doch der Blick auf Krisen, Prophezeiungen und kommende Prüfungen kann auch Angst auslösen. Was trägt uns, wenn die Welt unruhiger wird? Nicht ein lückenloses Wissen über die Endzeit, sondern ein Leben, das tief in Christus verwurzelt ist.

Mittschnitt einer Predigt von Reimund Kisser


Die wichtigste Frage im Blick auf die Endzeit

Wir sind Siebenten-Tags-Adventisten. Wir freuen uns auf die Erfüllung der biblischen Prophezeiungen – und vor allem freuen wir uns auf die Wiederkunft Jesu. Diese Hoffnung tragen wir im Herzen: Jesus Christus wird wiederkommen.

Doch manchmal mischt sich in diese Vorfreude eine leise Sorge: Bin ich bereit? Werde ich bestehen? Weiß ich genug über die Endzeit? Kenne ich alle Prophezeiungen? Habe ich die kommenden Ereignisse richtig eingeordnet?

Ich kannte eine Frau, die solche Angst vor der Endzeit hatte, dass sie diese Zeit am liebsten gar nicht erleben wollte. Inzwischen hat sich ihr Leben völlig verändert. Doch ihr damaliger Satz zeigt, wie bedrückend der Blick in die Zukunft werden kann, wenn die Angst in den Mittelpunkt rückt.

Wir leben in einer Zeit voller Krisen. Wir sehen Bilder von Erdbeben, Flutwellen und anderen Naturkatastrophen. Wir erleben politische und religiöse Spannungen. Wenn wir über die Endzeit sprechen, begegnen uns Themen wie Verfolgung, das Malzeichen des Tieres und die letzte Prüfung.

All das kann unseren Blick unmerklich verschieben. Dann steht nicht mehr Jesus im Mittelpunkt, sondern die Information. Nicht mehr die Beziehung zählt, sondern das Wissen.

Die entscheidende Frage lautet jedoch nicht: Wie viel weiß ich über die Endzeit? Die entscheidende Frage lautet: Wie tief bin ich in Christus verwurzelt?

Menschen werden in der letzten Zeit nicht deshalb bestehen, weil sie jedes Ereignis im Voraus kennen. Sie werden bestehen, weil sie fest mit Jesus verbunden sind. Darum lautet das Thema dieser Predigt: tief verwurzelt – standfest in der Zeit der Wiederkunft.

Das Bild der Wurzeln

Wenn ich an Wurzeln denke, denke ich natürlich an Bäume. Ich bin viel mit dem Fahrrad im Wald unterwegs. Dort können große Wurzeln zu einem echten Hindernis werden. Man fährt darüber, das Rad rutscht weg – und schon liegt man auf dem Boden. Aber gerade diese Wurzeln zeigen auch, wie fest ein Baum verankert sein kann.

In der Natur unterscheiden wir unter anderem zwischen Flachwurzlern und Tiefwurzlern. Das Wort „Flachwurzler“ wird gelegentlich sogar spöttisch für einen oberflächlichen oder wenig tiefgründigen Menschen verwendet. In der Natur ist ein Flachwurzler jedoch keineswegs minderwertig. Fichten, Birken und Weiden gehören beispielsweise zu den Bäumen, deren Wurzeln sich eher nahe an der Oberfläche ausbreiten.

Die Stärke flacher Wurzeln

Flache Wurzeln können Regenwasser schnell aufnehmen. Auch viele Nährstoffe befinden sich zunächst in den oberen Bodenschichten. Auf steinigem oder flachem Untergrund können sich die Wurzeln weit ausbreiten, selbst wenn sie nicht tief hinabreichen. Solche Bäume wachsen häufig schnell.

Außerdem stehen sie selten allein. Ihre Wurzeln breiten sich nebeneinander aus und bilden mit den Wurzeln anderer Bäume ein Netzwerk. Je stärker diese Verbindung ist, desto mehr Halt können die Bäume einander geben.

Doch flache Wurzeln haben auch eine Schwäche: In langen Trockenzeiten erreichen sie die tiefer liegenden Wasservorräte nicht. Wenn der Boden austrocknet und ein Sturm aufkommt, geraten solche Bäume leichter ins Wanken.

Der Halt tiefer Wurzeln

Tiefwurzler wie Eiche, Kiefer und Walnuss schicken ihre Wurzeln weit in den Boden. Dort finden sie Wasser und Nährstoffe, die an der Oberfläche längst nicht mehr erreichbar sind. Das schenkt ihnen Widerstandskraft in Zeiten der Dürre. Wenn ein Sturm kommt, gibt ihnen die tiefe Verankerung festen Halt.

Glaube wächst in zwei Richtungen

Welches Bild beschreibt nun einen gläubigen Menschen besser – der Flachwurzler oder der Tiefwurzler? Ich glaube: Wir brauchen beides.

Wir brauchen einen Glauben, der in die Tiefe wächst. Das ist die vertikale Dimension unseres Glaubens: das persönliche Gebet, das Bibelstudium, die Hingabe und die Gemeinschaft mit Christus. Es ist die unmittelbare Verbindung zwischen Gott und uns.

Wir brauchen aber auch einen Glauben, der in die Breite wächst. Das ist seine horizontale Dimension: die Gemeinde, unser Dienst, unser Zeugnis, die Liebe zum Nächsten und die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen. Ein gelebter Glaube bleibt nicht bei uns selbst. Er verbindet uns mit anderen und nimmt sie mit.

Tiefe und Breite gehören zusammen: die persönliche Verwurzelung in Christus und die tragende Gemeinschaft mit anderen Menschen.

Fünf Wahrheiten für stürmische Zeiten

1. Vertrauen reicht tiefer als Wissen

In Jeremia 17 wird ein Mensch, der auf Gott vertraut, mit einem Baum am Wasser verglichen:

„Gesegnet ist der Mensch, der sich auf den Herrn verlässt und dessen Zuversicht der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und seine Wurzeln zum Bach ausstreckt. Wenn die Hitze kommt, fürchtet er sich nicht. Seine Blätter bleiben grün. Auch in einem dürren Jahr sorgt er sich nicht, sondern bringt weiterhin Frucht.“

Jeremia 17,7–8

Dieser Text sagt nicht: Gesegnet ist, wer alles versteht. Er sagt auch nicht: Gesegnet ist, wer jede Prophezeiung erklären kann. Das Studium der Prophetie ist wichtig, aber hier steht etwas anderes: Gesegnet ist, wer Gott vertraut.

Der Baum bleibt nicht deshalb grün, weil keine Hitze kommt. Die Hitze kommt. Er bleibt auch nicht deshalb stehen, weil es keine Stürme gibt. Die Stürme kommen. Der Baum bleibt grün und trägt Frucht, weil seine Wurzeln das Wasser erreichen.

Auch die Endzeit wird Prüfungen mit sich bringen. Wir werden Druck aushalten müssen, und vielleicht werden wir uns manchmal unsicher fühlen. Doch wenn unsere Wurzeln bis zur Quelle des Lebens reichen, bekommen wir das Wasser, das wir brauchen. Christus selbst ist diese Quelle. Wer von dem Wasser trinkt, das er gibt, wird nicht mehr dürsten. So sagt es Jesus in Johannes 4,14.

2. Wissen allein rettet nicht

Als Adventisten schätzen wir die Prophetie. Wir glauben an die dreifache Engelsbotschaft, und wir studieren Daniel und die Offenbarung. Das ist gut und wichtig. Aber wir müssen aufpassen: Prophetisches Wissen ersetzt keine Beziehung zu Jesus.

Die Pharisäer kannten die Schriften. Sie warteten auf den Messias – und doch erkannten sie Jesus nicht. Könnte darin nicht auch eine Warnung für uns liegen?

Ein weiteres Beispiel finden wir im Gleichnis von den zehn Jungfrauen in Matthäus 25. Alle hatten Lampen. Alle warteten auf den Bräutigam. Alle schliefen ein – nicht nur fünf, sondern alle zehn. Entscheidend war, ob genügend Öl vorhanden war. Dieses Öl steht für die lebendige Verbindung mit Gott durch den Heiligen Geist.

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Ohne mich könnt ihr nichts tun.“

Johannes 15,5

Darum lautet für mich die größte Frage im Blick auf die Endzeit: Bin ich täglich, ja stündlich, mit Christus verbunden?

3. Gottes Gebote sind die Frucht der Liebe

Wenn die Beziehung zu Jesus so wichtig ist, könnte jemand fragen: Welche Rolle spielt dann noch das Gesetz Gottes?

Gerade die Liebe zu Christus führt uns zum Gehorsam. Jesus sagt: „Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote.“ Das Gesetz ist jedoch nicht die Wurzel unserer Erlösung. Die Wurzel ist die Liebe zu Jesus. Der Gehorsam ist die Frucht einer lebendigen Verbindung mit ihm.

Ein Baum bringt seine Früchte nicht durch angestrengte Selbstüberredung hervor. Er trägt Frucht, weil er lebt und versorgt wird. Ebenso halten wir Gottes Gebote nicht, um gerettet zu werden. Wir halten sie, weil wir mit Christus verbunden sind.

„Hier ist die Geduld der Heiligen, die Gottes Gebote halten und den Glauben Jesu haben.“

Offenbarung 14,12

Glaube und Gebote werden hier gemeinsam genannt. Es geht weder um ein Gesetz ohne Beziehung noch um eine Beziehung ohne Gehorsam. Liebe und Treue gehören zusammen.

Wenn ich Jesus liebe, werde ich meinem Nächsten nicht schaden. Wenn ich Gott liebe, werde ich keine anderen Götter an seine Stelle setzen und seinen Namen nicht missbrauchen. Der Sabbat wird zu einer besonderen Zeit der Gemeinschaft mit ihm. Gehorsam erwächst dann nicht aus Angst oder Druck, sondern aus Liebe.

4. Tiefe Wurzeln entstehen vor dem Sturm

Wer Tomaten vorzieht, weiß: Die jungen Pflanzen wachsen zunächst in einem geschützten Raum. Wenn sie später ins Freie gesetzt werden, brauchen sie bereits Wurzeln, die ihnen Halt geben. Oft stellt man ihnen zusätzlich einen Stab zur Seite, damit sie nicht schon beim ersten Windstoß umfallen.

Ein Baum beginnt nicht erst während des Orkans damit, Wurzeln zu bilden. Seine Wurzeln wachsen vorher. Ebenso entsteht Glaubensstärke nicht erst in der Krise.

Viele fragen: Wenn die letzte Prüfung kommt, werde ich dann stark sein? Vielleicht sollten wir zuerst fragen: Bin ich heute tief verwurzelt?

Wenn das Gebet heute keinen Platz in meinem Leben hat, wenn Gottes Wort heute keinen Raum bekommt und wenn Christus heute nicht im Mittelpunkt steht – warum sollte das in der Krise plötzlich anders sein?

Unser Alltag formt unsere Treue in der Endzeit. Kleine Entscheidungen bilden große Standfestigkeit. Die Wurzeln wachsen heute, lange bevor der Sturm beginnt.

5. In Christus verwurzelt und gegründet

„Wie ihr nun Christus Jesus, den Herrn, angenommen habt, so lebt auch in ihm: verwurzelt und gegründet in ihm und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und voller Dankbarkeit.“

Kolosser 2,6–7

Paulus verwendet starke Bilder: verwurzelt, gegründet und gefestigt. Ich wünsche mir, nicht erst irgendwann festzustehen, sondern heute. Nicht oberflächlich, nicht nur gelegentlich und nicht nur am Sabbat, sondern täglich. Wir müssen nicht jede Einzelheit der Schrift kennen. Aber wir müssen den kennen, von dem die Schrift kommt.

Manchmal sprechen wir scherzhaft von „U-Boot-Adventisten“. Am Sabbat tauchen sie auf. Am Sonntag gehen sie wieder unter, bleiben die Woche über unsichtbar und kommen erst zum nächsten Sabbat wieder an die Oberfläche. Dieses Bild ist lustig, aber es stellt auch eine ernste Frage: Bin ich vielleicht manchmal selbst ein U-Boot-Adventist?

Glaube ist kein wöchentlicher Termin. Er ist ein Leben, das beständig in Christus verwurzelt bleibt.

Sieben Wege zu tieferen Wurzeln

Wie können unsere Wurzeln im Alltag tiefer wachsen? Die folgenden Schritte sind nicht neu. Wir kennen sie wahrscheinlich alle. Doch im Alltagstrott geraten gerade die einfachen Dinge leicht in Vergessenheit.

1. Zeit mit Jesus verbringen

Wenige Minuten echter Gemeinschaft können wertvoller sein als viel angelesenes Wissen.

Mein Wecker klingelt morgens sehr früh. Ich habe mir sogar einen Wecker gekauft, bei dem die Schlummertaste zehn Minuten schenkt. Und dann drücke ich: noch einmal zehn Minuten, noch einmal zehn Minuten, noch einmal zehn Minuten. Irgendwann wird die Zeit knapp, denn ich muss pünktlich zur Arbeit.

Was ich dennoch nicht auslassen möchte, ist mein Morgengebet. Es ist für mich wesentlich, bevor ich aus der Tür gehe – selbst wenn es kurz ist. Manchmal nehme ich nur die Bibel, lese einen einzigen Text und denke kurz darüber nach. Oft ist dieser eine Vers für mich wertvoller als eine ganze Seite, die ich nur schnell überflogen hätte.

Es kommt nicht zuerst auf die Menge an. Entscheidend ist die echte Begegnung mit Jesus.

2. Gottes Wort ins Herz aufnehmen

Die Bibel will nicht nur studiert, sondern aufgenommen werden. Beim Lesen können wir uns fragen: Was zeigt mir dieser Text über Jesus? Was verändert er in meinem Leben? Wozu ruft Gott mich heute?

Gottes Wort soll nicht lediglich unseren Kopf füllen. Es soll unser Herz erreichen und unser Leben prägen.

3. Beten als Verbindung, nicht als Pflicht

Gebet ist keine Leistung. Wenn jemand drei oder fünf Stunden betet, kann das wunderbar sein. Aber die Dauer macht einen Menschen nicht besser als andere.

Jesus erzählt von dem Zöllner, der im Tempel an seine Brust schlägt und schlicht betet: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“ Daneben steht der Pharisäer, der seine Leistungen aufzählt und sich mit anderen vergleicht. Ein ehrliches, demütiges Gebet führt tiefer als religiöser Stolz.

Natürlich kann eine feste Gebetszeit hilfreich sein. Eine gute Gewohnheit kostet manchmal Überwindung, bis sie gewachsen ist. Aber wir beten nicht, um eine Pflicht abzuhaken. Wir beten, um mit Gott verbunden zu sein. Jedes aufrichtige Gebet lässt unsere Wurzeln tiefer wachsen.

4. Gottes Willen aus Liebe leben

Wir gehorchen nicht aus Angst und nicht unter Druck, sondern weil Christus in unserem Herzen wohnt. Liebe verändert unsere Haltung. Gottes Wille ist dann keine Last, die uns von außen aufgezwungen wird, sondern ein Weg, den wir mit Jesus gehen möchten.

5. Tragende Gemeinschaft suchen

Ein einzelner Baum steht selten allein. Ein Wald schützt sich gegenseitig. Auch in der Gemeinde gibt es Menschen, die wie starke Bäume den Wind abfangen und anderen Halt geben.

Gemeinschaft verlangt manchmal ein Opfer. Am Sabbatnachmittag würde ich nach dem Essen gelegentlich lieber schlafen, als jemanden zu besuchen oder noch einmal loszufahren. Doch wenn wir Zeit mit Glaubensgeschwistern verbringen, nach Hause kommen und sagen: „Was für ein schöner Sabbat“, erkennen wir den Wert dieser Gemeinschaft. Diesen Segen hätten wir allein nicht erlebt.

Gemeindeleben, Glaubensfreunde und gegenseitige Ermutigung helfen uns, tiefe und zugleich weit verzweigte Wurzeln zu bilden.

6. Im Kleinen treu sein

Standfestigkeit in der Endzeit beginnt heute: in unserem Alltag, in unseren Worten und im Umgang mit unserem Nächsten, mit der Familie und mit unserem Ehepartner.

Auch unsere ganz gewöhnlichen Entscheidungen dürfen wir mit Gott treffen. Wenn ich mir zum Beispiel etwas für mein Hobby kaufen möchte, kann ich fragen: Brauche ich das wirklich? Ist die Anschaffung sinnvoll? Oder treiben mich Egoismus, Stolz oder der Wunsch an, etwas Besonderes zu besitzen?

Es geht nicht darum, sich notwendige oder hilfreiche Dinge zu verbieten. Es geht um die Frage: Treffe ich meine Entscheidungen gemeinsam mit Gott, oder entscheide ich nur danach, was mir gerade gefällt und praktisch erscheint?

Treue wächst in kleinen, alltäglichen Entscheidungen.

7. Die Wiederkunft mit Hoffnung erwarten

Unser tägliches Gebet darf lauten: Herr Jesus, halte mich nahe bei dir.

Am Ende wird nicht entscheidend sein, wie viel ich wusste, sondern mit wem ich verbunden war. Die Erwartung der Wiederkunft soll uns deshalb nicht in Angst versetzen. Sie darf uns näher zu Jesus ziehen und unser Herz mit Hoffnung erfüllen.

Nicht der Sturm entscheidet

Liebe Geschwister, Stürme werden kommen. Die Welt wird unruhiger, und Prophezeiungen erfüllen sich. Gott ruft uns dazu auf, tiefere Wurzeln zu bilden.

Wenn Christus unsere Quelle ist, wenn sein Wort unsere Nahrung ist und wenn unser Vertrauen tiefer wächst, dann dürfen die Winde der Endzeit kommen – wir werden stehen.

Denn nicht der Sturm entscheidet. Die Wurzeln entscheiden.

Das wünsche ich uns allen.

Amen.

Autor

Cookie Consent mit Real Cookie Banner