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Eine Frage, die sich die meisten Tierfreunde schon einmal gestellt haben. Von Richard M. Davidson, Professor für Altes Testament an der Andrews University

Im Laufe der Jahre habe ich als Pastor und Lehrer viele Menschen getroffen, die um einen geliebten Hund oder eine Katze trauerten. Einige haben mich gefragt, ob ihre Haustiere oder auch andere Tiere einmal bei der Auferstehung dabei sein würden. Als passionierter Tierfreund hatte ich schon als Kind eine enge Familienbeziehung mit einigen wundervollen Hunden und Katzen. Da interessiert mich diese Frage natürlich auch ganz persönlich. Beim Unterrichten der Heiligtumslehre habe ich mich oft gefragt, wie Gott das wiedergutmachen wird, was den zahllosen unschuldigen Tieren angetan wurde, die im Alten Testament auf seine Anordnung hin geopfert wurden. Hier einige Überlegungen:

Ich habe keine letzten Antworten, aber einige spannende Hinweise in der Bibel gefunden. Diese lassen hoffen, dass mindestens einige Tiere (einschließlich unserer Haustiere und der Opfertiere) auferstehen und für die Ewigkeit gerettet werden könnten. Zu den faszinierenden biblischen Texten (und anderen inspirierten Aussagen) gehören die folgenden:

Psalm 36,6 bestätigt: »Du, o HERR, rettest Menschen und Tiere.« (SLT). Obwohl viele Versionen statt »rettest« mit »hilfst« übersetzen, wird im Hebräischen das Wort verwendet, das an anderer Stelle in der Schrift für die ewige Errettung gebraucht wird.

Micha 4,8 spricht von der Wiederherstellung der »früheren Herrschaft« am Ende der Zeit. Die frühere Herrschaft, die Adam und Eva verloren, war die Herrschaft über die Tiere (1. Mose 1,28). Das Buch der Offenbarung spricht eindeutig von den Heiligen im Himmel als Könige und Königinnen (20,4; 5,10; 22,5). Da stellt sich natürlich die Frage:, über wen alle Heiligen regieren werden, wenn sie doch Könige und Königinnen sein werden? Es erscheint plausibel, dass wir über das Tierreich herrschen werden – wie im Garten Eden.

Die Bibel spricht deutlich darüber, dass die Tiere Gott sehr am Herzen liegen. Das Buch Jona endet mit Gottes Sorge um die Tiere von Ninive. »Sollte mich nicht jammern Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen sind … dazu auch viele Tiere?« (Jona 4,11) 1. Mose 9,10 und Hosea 2,18 sprechen davon, dass Gott einen Bund mit den Tieren schließt. Das Alte Testament sagt, dass der Sabbat nicht nur für den Menschen ist, sondern auch, dass an ihm die Tiere ruhen sollten (2. Mose 23,12). 4. Mose 22 ist faszinierend: Der HERR öffnet den Mund von Bileams Eselin, die zu ihrem Herrn spricht. Es heißt hier nicht, dass Gott der Eselin Intelligenz und Sprache gab. Nein er öffnete »ihren Mund« und sie sprach! Dann stellt der Engel Bileam die eindringliche Frage: »Warum hast du deine Eselin geschlagen?« (Vers 32) Gott war betroffen, dass ein Tier grausam misshandelt wurde! Meine Tochter, Rahel Schafer, hat kürzlich ihre Doktorarbeit verteidigt. In ihr hat sie sich mit den vielen anderen Passagen beschäftigt, in denen die Tiere sprechen und sogar zu Gott schreien, und Gott auf ihren Schrei antwortet!1 (Siehe zum Beispiel Hiob 12,7-9; 40,15-19; 41,10; Psalm 104,20.26.27; und Jesaja 43,20.

Zu Gottes häufig geäußerter Sorge um die Tiere im Alten Testament passt der lehrreiche Vers den Jesus im Neuen Testament sagte: »Verkauft man nicht fünf Sperlinge für zwei Groschen? Dennoch ist vor Gott nicht einer von ihnen vergessen.« (Lukas 16,4)

Wenn Gott in der Bibel einer Sache gedenkt, so heißt das: Er handelt zugunsten von jemandem oder etwas (siehe Mose 8:1, wo Gott Noah und der Tiere in der Arche gedachte, als er sie vom Tod erlöste). Wenn Gott die Spatzen, die fallen (sterben), nicht »vergisst«, heißt das dann nicht, dass er ihrer »gedenkt«, d.h. zugunsten der Gefallenen handelt – sie rettet? (Matthäus 10,29)

Römer 8,19-21 beschreibt, wie die ganze Schöpfung seufzt und sich plagt und auf Wiederherstellung wartet: »Denn die ganze Schöpfung … wurde der Vergänglichkeit unterworfen. Dies geschah gegen ihren Willen durch den, der sie unterworfen hat. Aber die ganze Schöpfung hofft auf den Tag, an dem sie von Tod und Vergänglichkeit befreit wird zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.« (NL) Könnten diese Verse vielleicht ein Hinweis darauf sein, dass auch Gottes irdische Geschöpfe, die keine Menschen sind und keine Verantwortung für das Böse haben, schließlich durch Auferstehung/Rettung vom Verfall/Fluch befreit werden?

Ich finde die Kommentare von Ellen G. White faszinierend, wo sie von der Zuneigung und den treuherzigen Eigenschaften der Tiere spricht: »Die Intelligenz, die viele stumme Tiere aufweisen, ist der menschlichen Intelligenz so nahe, dass es einem Mysterium gleichkommt. Die Tiere sehen, hören und lieben, sie fürchten sich und leiden. Ihre Organe gebrauchen sie weitaus naturgetreuer als viele Menschen. Sie erweisen Mitgefühl und Empfindsamkeit gegenüber ihren leidenden Gefährten. Viele Tiere zeigen eine Liebe für ihre Betreuer, die die Zuneigung mancher Menschen weit übertrifft. Sie knüpfen Beziehungen zum Menschen, deren Auflösung großes Leid für sie bedeutet.«2

Eine Vielzahl neuerer Studien über Verhalten, Intelligenz und Emotionen von Tieren untermauern diese Aussage.3 Sind Liebe und Vertrauen dieser Tiere nicht genau die Eigenschaften, die Gott in seinen menschlichen Nachfolgern sucht, Eigenschaften, die sie für den Himmel benötigen? Wenn die Tiere solche Eigenschaften besitzen, sind sie dann nicht auch für den Himmel geeignet?

C. S. Lewis meinte, dass vor allem Haustiere und andere, die ein »Seelenleben« aufweisen und positive Eigenschaften wie Liebe und Vertrauen entwickelt haben, bei der Auferstehung dabei sein werden.4 Was Lewis nicht erkannt hat, ist, dass die Bibel alle Tiere genauso »Seelen« oder »Personen« nennt wie die Menschen (1. Mose 1,20.21.24.30; 9,10 usw.).

In seiner mehrbändigen Allegorie über den Erlösungsplan Die Chroniken von Narnia, beschäftigt sich Lewis mit der Sprachfähigkeit der Tiere. Die Bibel scheint ihm beizupflichten: Psalm 148 rechnet »Tiere und alles Vieh; Gewürm und Vögel« (Verse 10) zu den Geschöpfen, die den HERRN lobpreisen. In Offenbarung 5,13 steht: »Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!«

Die Sprache von Psalm 104,24-30 könnte auf eine endzeitliche Auferstehung von Fischen, Vögeln und Landtieren hindeuten. S. R. Driver schreibt: »Wenige, wenn überhaupt irgendein Leser des Alten Testaments scheint bemerkt zu haben, dass der Text, will man ihm bei der Auslegung keine Gewalt antun, die seltsame Lehre einer Auferstehung nicht nur des Menschen und der Vögel und Tiere verkündet, sondern auch des Leviathans und des Gewimmels oder vielmehr der ›gleitenden Dinge ohne Zahl‹, die im Meer schwimmen.« (Ps. Civ. 5 10–30).5 Driver betont: Das »Sie alle« (Vers 27), die »geschaffen werden« (Vers 30), bezieht sich auf »alle Geschöpfe Gottes, nicht nur einige, von ihnen, auf alle, die im Psalm erwähnt werden, ob Mensch, Tier, Vogel oder Fisch.«6 … Obwohl Driver den Text in seiner vorliegenden Form so anerkennt, nimmt er doch Anstoß an dieser Bedeutung und schlägt daher eine radikale Streichung des Textes vor. Akzeptiert man aber den Text so, wie er ist, was ich für die beste Position halte, dann scheint diese Passage auf die Auferstehung einer Vielzahl von Tieren hinzuweisen.

Ich möchte nicht behaupten, dass die oben genannten Beweise endgültig sind. Sie sind bestenfalls angedeutet. Aber es gibt doch genügend solcher »Andeutungen« in den inspirierten Quellen, dass wir unseren Kinder nicht sagen müssen, wenn ihre Haustiere sterben, sie würden sie nie wieder sehen. Für Kinder, die vielleicht ihr ganzes Leben mit ihrem Haustier aufs Engste verbunden waren, könnte dies unnötigerweise Gottes Charakter in ein schlechtes Licht rücken. Warum also behaupten, dass das Tier nicht wieder auferstehen wird? Ich schlage stattdessen vor, dass Eltern ihren Kindern beim Tod eines Haustiers sagen: »Wenn ihr in den Himmel kommt und euer Haustier dort haben wollt, wird Gott euch sicher den Wunsch eures Herzens erfüllen.« Diese Antwort können wir bedenkenlos geben, denn die Schrift sagt: »Habe deine Lust am HERRN, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt!« (Psalm 37,4) Falls die Tiere aber nicht auferstehen, dann werden wir sie in unserem unsterblichen Zustand auch nicht begehren. Die Verheißung des Paulus in 1. Korinther 2,9 trifft den Punkt: »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« (1. Korinther 2,9) Warum also sollten wir uns die Auferstehung unserer Haustiere und anderer Tiere als Erfüllung dieser Verheißung nicht vorstellen?

Ich finde, dass eine Auferstehung der Tiere am Ende des großen Kampfs zwischen Christus und Satan passend ist, wenn Gott endlich alles in Ordnung bringt. Bei dem Gedanken an all die unschuldigen Tiere, die durch grausame Menschen und zur Freude Satans gelitten haben, gelange ich zu der Überzeugung, dass Gott es kaum erwarten kann, auch diesen Teil von Satans Wirken wieder gut zu machen. Denken wir auch an all die unschuldigen Opfer des göttlich verordneten alttestamentlichen Zeremonialsystems, die uns symbolisch den Schrecken der Sünde und ihre unheilvollen Folgen offenbart und auf das Kommen von Gottes Lamm hinwies. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott all dieses göttlich verordnete, unschuldige Leiden zugelassen hätte, ohne endlich jener zu »gedenken«, die gelitten haben, indem er sie rettet/auferweckt!

Ich bin nicht “dog”matisch, was diesen Vorschlag angeht. Gott hat vielleicht einen anderen Weg, dieses Problem zu lösen, der weit über das hinausgeht, was ich mir jetzt vorstelle! Gott wird schon tun, was am besten ist. Eines Tages werden wir es erleben, wenn wir (und unsere Haustiere und andere Tiere?) ihn von Angesicht zu Angesicht im Himmel sehen! An diesem Tag »wird es keinen Tod mehr geben; es wird keine Trauer, kein Weinen und keinen Schmerz mehr geben; die ersten Dinge sind vergangen!« (Offenbarung 21,4).

Mit freundlicher Genehmigung des Autors übersetzt aus:
https://www.perspectivedigest.org/archive/22-2/the-salvation-of-animals

Fußnoten:

1. A. Rahel Schafer, »›You, YHWH, Save Humans and Animals‹: God’s Response to the Vocalized Needs of Non-human Animals as Portrayed in the Old Testament« (Dissertation, Wheaton College, 2015).

2. The Ministry of Healing, 315, 316.

3. Siehe z.B. Vint Virga, The Soul of All Living Creatures: What Animals Can Teach Us About Being Human (New York: Broadway, 2014); Virginia Morell, Animals Wise: How We Know Animals Think and Feel (New York: Broadway, 2014)

4. C. S. Lewis, The Problem of Pain (New York: Macmillan, 1962), 129-143.

5. Siehe G. R. Driver, »The Resurrection of Marine and Terrestrial Creatures,« Journal of Semitic Studies 7:1 (Spring 1962): 12.

6. Ebd., 17.

Quelle: hoffnung-weltweit.info