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Keine adventistische Erfindung. Von Kai Mester

Ein Geistlicher der Siebenten-Tags-Baptisten schrieb ein Buch über den Sabbat. Im Jahr 1657, über zweihundert Jahre vor der Gründung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, wurde es veröffentlicht. Der Titel lautet auf Deutsch übersetzt, man höre und staune und halte sich gut fest ob der Länge damaliger Buchtitel:

DER SABBAT DES SIEBTEN TAGES – gefunden und gefeiert! ODER: Der letzte Plan der Heiligen gegen den Menschen der Sünde und wie sie Gottes erstem Geschenk wieder zu seiner ursprünglichen Schönheit verhelfen werden. Damit entlarven sie eindeutig das schwarze Wesen, das in dem Haupt des kleinen Horns aus Daniel 7,25 steckt: Die Veränderung von ZEIT und GESETZ. Die Christen werden über das Malzeichen des Tieres herrlich siegen, der lange verschmähte siebte Tag wird seinen einstigen Glanz wieder erhalten und Herr Aspinwal bekommt eine ausführliche Antwort auf sein letztes Werk gegen den SABBAT.

Wenn da ein Adventist nicht aufhorchen sollte! Inzwischen ist ja hinlänglich bekannt: Der Sabbat wurde von der Zeit der Apostel bis heute immer irgendwo in der Christenheit gefeiert und geriet nie in Vergessenheit. Aber dass man schon vor dem Jahr 1844 in den Prophezeiungen Daniels den Sabbat entdeckt hat, darf uns begeistern. Ja, die Verknüpfung des Sabbats mit der Botschaft der Offenbarung ist keine adventistische Erfindung oder gar neues Licht, das Ellen White in einer Vision geschenkt wurde. Nein, das alles ist die logische Konsequenz von intensivem Bibelstudium. Und das eben nicht erst seit der Enttäuschung von 1844, sondern schon fast zwei Jahrhunderte vorher. Möglicherweise fehlen uns sogar einfach die schriftlichen Zeugen dafür zu beweisen, dass diese Erkenntnis schon von vielen Christen in weiter zurückliegenden Jahrhunderten geteilt wurde.

Autor und Zeit des sensationellen Buches über den Sabbat

Thomas Tillam, der Autor dieses Buches, wurde in England geboren, wanderte nach Neuengland aus und kehrte später wieder nach England zurück. 1661 verließ er jedoch England endgültig und siedelte nach Heidelberg in Deutschland über. Er verstarb 1676.

Das Buch erschien zur Zeit, als der Englisch-Spanische Krieg und die Nordischen Kriege tobten. Der verheerende dreißigjährige Krieg, den die Reformation ausgelöst hatte, lag noch keine zehn Jahre zurück. Es war das Zeitalter des Barock. Das Osmanische Reich schlug Revolten in Syrien, Anatolien und Ägypten nieder. Der Mogulherrscher Schah Dschahan, der das berühmte, wunderschöne Bauwerk Taj Mahal errichten ließ, wurde genau in dem Jahr, als das Buch erschien, krank und musste die letzten Jahre seines Lebens als Gefangener mit Blick auf sein eigenes Bauwerk verbringen.

In dieser Zeit schrieb nun Thomas Tillam sein Buch über den Sabbat. Um einen Eindruck davon zu vermitteln, werde ich hier stark gerafft einige Gedanken wiedergeben. Im Großen und Ganzen verteidigt er mit Erfolg den Sabbat gegen alle Angriffe, die Sabbathaltern bestens vertraut sein müssten.

Der Sabbat – eine jüdische Einrichtung?

Der Sabbat, so Tillam, ist keinesfalls eine jüdische Einrichtung. Das fleischerne Herz der Patriarchen und der Nachfolger Jesu hält die Gebote von innen heraus und bedarf deswegen keiner steinernen Tafeln wie das steinerne Herz des Volkes Israel. Wer den Sabbat aber als jüdisch abtut, der muss die ganze Bibel als jüdisch verwerfen.

Wer meint, man bräuchte den Sabbat heute nur noch geistlich und nicht mehr jüdisch zu halten, den fragt Tillam, wie er dann die anderen Gebote geistlich hält. Darf man also töten, ehebrechen, stehlen und lügen, wenn man diese Gebote geistlich hält?

Das Sabbatgebot wurde vor dem Sündenfall gegeben. Denn dort schon richtete Gott den Sabbat ein, weil er ihn heiligte und segnete (1. Mose 2,3). Damit ist der Sabbat jedenfalls keine jüdische Einrichtung.

Der Sabbat ist sicher nicht nur ein Typus auf die Ruhe, die wir im Messias finden. Sonst wäre auch die Ehe lediglich ein Typus auf unsere Beziehung zu Jesus, denn sie ist gleichfalls eine Einrichtung aus dem Paradies (1. Mose 1,28), und das siebte Gebot wäre damit längst überholt.

Für Juden ist ein sabbatbrechender Christ, so stellt Tillam fest, immerhin ein großes Hindernis, den Messias anzunehmen. Denn warum brechen seine Anhänger den Sabbat, wenn er der wahre Messias ist?

Hat sich der Wochenrhythmus verschoben?

Manche behaupten, die stillstehende Sonne bei Josua habe den Wochenrhythmus verschoben (Josua 10,13). Unsinn, sagt Tillam. Jesus und die Jünger ruhten auch danach noch »den Sabbat über … nach dem Gesetz« (Lukas 23,56) und eben nicht am Sonntag.

Auch später hat sich der Wochenrhythmus nie verändert. Sowohl Juden als auch Heiden feierten ihren wöchentlichen Ruhetag in der Geschichte immer nach dem althergebrachten Rhythmus. Er wurde nie verschoben.

Jesus und der Sabbat

Jesus hat den Sabbat trotz gegenteiliger Meinungen nicht gebrochen. Denn Ährenraufen ist keine Arbeit, sondern immer erlaubt (5. Mose 23,26), auch wenn die Pharisäer das vielleicht anders sahen. Es war vielmehr ein Plädoyer für eine leichte Sabbatmahlzeit. Auch das Tragen von Lasten ist am Sabbat nicht generell verboten, sondern nur im Zusammenhang mit Arbeit (Nehemia 19,19.20; Jeremia 17,24). Wenn Jesus den Geheilten am Sabbat zum Tragen seiner Schlafmatte aufforderte, hat er damit noch nicht den Sabbat gebrochen. Jesus selbst spricht sich für das Einhalten des Gesetzes aus und warnt vor dem kleinsten Verstoß (Matthäus 5,18.19). Er selbst bezeichnet sich als Herr des Sabbats (Matthäus 12,8). Wenn also in Offenbarung 1,10 vom »Tag des Herrn« die Rede sei, so könne damit nicht der Sonntag gemeint sein. Ähnlich spreche Paulus später vom »Mahl des Herrn« (1. Korinther 11,20).

Zudem rät Jesus seinen Jüngern zu beten, dass ihre Flucht kurz vor der Zerstörung Jerusalems (fast vierzig Jahre später) nicht im Winter oder am Sabbat geschehe (Matthäus 24,20). Da sie ohnehin auf der Flucht nichts mitnehmen sollten (Vers 17.18), kann der Grund für diese Aufforderung nicht gewesen sein, dass sie wegen ihres Gepäcks des Sabbatbruchs beschuldigt worden wären. Nein, es ging ihm um die Heiligkeit des Sabbats.

Dann schreibt er: »Jesus lag am Sabbat im Grab … und damit bestätigt er den Christen das Gesetz.« Nach vollbrachter Erlösung ruhte er wie nach vollbrachter Schöpfung.

Manche meinen, Jesus wäre den Jüngern nach der Auferstehung zweimal am Sonntag im Obergemach erschienen und dadurch wäre die Sonntagsfeier in der Schrift begründet, doch Tillam zeigt, dass Jesus erst nach Sonnenuntergang von Emmaus her im Obergemach eintraf. Nach biblischer Zeitrechnung war also schon der zweite Wochentag angebrochen (Lukas 24,29.33.36; Johannes 20,19). Die zweite Begegnung fand acht Tage später statt, also auch nach dem Sonntag (Johannes 20,26).

Zu Hebräer 4,9.10 hat Tillam eine interessante Überlegung. Er paraphrasiert: »Es bleibt dem Volk Gottes daher die Sabbatfeier (gr. sabbatimos), denn er [Jesus], der in die Ruhe eingegangen ist, hat auch von seinen eigenen Werken geruht, wie Gott von seinen Werken ruhte.« Da Vers 12 von Jesus als dem Wort spricht und Vers 14 von Jesus als dem Hohen Priester, meint er, dass auch in Vers 10 von Jesus die Rede sei. Jesus habe uns zum Vorbild den Sabbat gehalten sowohl im Leben als auch im Tod.

Die Apostel und die frühen Christen

Für Tillam ist klar: Auch der Heilige Geist an Pfingsten wurde an einem Sabbat ausgegossen. Dazu stellt er eine Berechnung an. Dann zeigt er, wie Paulus und seine Begleiter immer den Sabbat hielten und nicht, wie einige meinen, nur um die Juden zu erreichen (Apostelgeschichte 18,4). »Sie taten es bewusst, um den Heiden ein Beispiel zu geben«, sagte er (1. Korinther 11,1).

Wenn Paulus in Römer 14,5 von der Freiheit spricht, Tage zu halten, wie man möchte, dann kann er nicht den Sabbat gemeint haben. Denn er hat zuvor in Römer 3,31 klar das Moralgesetz bestätigt. Es gehe in dem Vers um kulturelle Gepflogenheiten wie zum Beispiel Fasten- oder Festtage. Auch wenn Paulus kritisiert, dass einige bestimmte Tage einhalten, kann er den Sabbat nicht meinen, weil er von schwachen und armseligen Grundsätzen spricht, die sicherlich nicht auf das Moralgesetz zutreffen (Galater 4,9.10). Spricht er schließlich im Zusammenhang mit Feiertagen und Sabbaten als von einer Gewissensfrage, so redet er nur von den Tagen, die »ein Schatten des Zukünftigen« sind, was ebenso wenig auf den Sabbat zutrifft.

Auch nach dem Ableben der Apostel feierten die ersten Christen den Sabbat. Denn Ignatius, der im frühen zweiten Jahrhundert lebte, verbot das Fasten am Sabbat und Sonntag und gebietet beide als Feste. So praktizierten es auch die Christen in Äthiopien laut Tillam.

Wann fängt der Sabbat an?

Womit die frühen Siebenten-Tags-Adventisten noch Schwierigkeiten hatten, ist für Tillam sonnenklar: Wenn die Sonne am Freitag verschwindet, ist es Zeit für uns, die Arbeit niederzulegen, denn mit dem Sonnenuntergang beginnt der Sabbat. Und er belegt dies mit einigen Bibeltexten: 3. Mose 23,32; 2. Mose 16,6; Nehemia 13,19; Markus 1,32; Lukas 23,54-56.

Der Sabbat auf einer runden Welt

Immer wieder argumentieren manche, dass man auf einer runden Welt keinen Sabbat halten könne. Nur wer in Israel lebt, müsse den Sabbat halten. Was, so Tillam, haben aber dann jüdische Seefahrer gemacht, wenn sie sich in anderen Längengraden bewegten? Wie hielten die jüdischen Proselyten den Sabbat, die aus vielen Völkern stammten und oft fernab östlich oder westlich von Israel lebten? Der Sonnenuntergang markiert überall eindeutig den Sabbatanfang. Die Mehrheit der Christenheit feiert ja ebenso sowohl in England als auch in den USA den Sonntag, und das trotz Zeitverschiebung.

Und was ist in den Polargebieten, wo die Sonne mehrere Monate nicht scheint? Die Menschen dort gehen trotzdem einem Tages- und Wochenrhythmus nach, da sie die Gestirne oder die Helligkeit am Horizont beobachten [oder sich nach der Uhr richten]. Schließlich wissen wir bei bedecktem Himmel auch, wann ein Tag zu Ende geht, obwohl wir die Sonne nicht sehen, meint Tillam.

Grund für Einwände gegen den Sabbat

Ist das Herz zum Gehorsam bereit, so wird es nicht ständig neue Schwierigkeiten erfinden, sagt Tillam und verweist auf Sprüche 22,13: »Der Faule spricht: ›Es ist ein Löwe draußen; ich könnte umkommen auf offener Straße!‹« Alles nur Ausreden! »Wer das Gebot bewahrt, der will nichts von einer bösen Sache wissen, und das Herz des Weisen weiß um Zeit und Gericht« (Prediger 8,5), also auch um die Zeit, wann der Sabbat zu halten sei.

Sonntagsfeier

Es überrascht uns, dass Tillam gar nichts dagegen zu haben scheint, wenn außer dem Sabbat auch noch der Sonntag als Auferstehungs- und Freudentag gefeiert wird, solange er nicht als Ruhetag gilt und solange er nicht an die Stelle des Sabbats tritt. Der Sabbat sei auch in Israel durch andere Feste in keiner Weise abgewertet worden. Die frühe Christenheit habe schon immer beide Tage gehalten. Auch mahnt Tillam zur Toleranz den Christen gegenüber, die den Sabbat noch nicht erkannt haben. Das Sabbatlicht werde ihnen bald aufgehen. Ob ihn auch politische Überlegungen zu diesen Aussagen bewogen haben? Der Sabbat war zu seiner Zeit in England jedenfalls ein heißes Thema.

Scheinbar adventistische Aussagen

Besonders interessant sind seine Aussagen, wenn sie scheinbar adventistische Züge annehmen. Am meisten erregt folgender Satz gleich zu Anfang seines Buches Aufmerksamkeit:

»Das erste königliche Gesetz, dass JHWH je gebot und das er uns zum Vorbild selber hielt, nämlich sein gesegneter Sabbat des siebten Tages, wird in eben diesen letzten Tagen zur großen Kontroverse [great controversy] zwischen den Heiligen und dem Menschen der Sünde werden, der Zeiten und Gesetze ändert.«

Die Wortwahl mutet sehr adventistisch an. So titelte Ellen White ihr bekanntestes Buch: The Great Controversy (Vom Schatten zum Licht). Und an vielen Stellen in ihren Schriften weist sie darauf hin, dass die letzte Kontroverse in der Weltgeschichte sich um die Frage Sabbat oder Sonntag drehen wird.

Tillam spricht immer wieder über den Antichristen und nennt den König Jerobeam als Typus, der erstmalig Zeit und Gesetz verändert habe, als er das Laubhüttenfest um einen Monat nach hinten verlegte und in Bethel feiern ließ, damit die Israeliten nicht mehr nach Jerusalem zu pilgern brauchten (1. Könige 12,28-33)

Tillam erkennt im Antichristen den Menschen der Sünde, der Zeiten und Gesetze verändert. Die Prophezeiung von Daniel 7,25 ist in seinem Buch zentral. Er sieht darin die Verlegung des Sabbats auf den Sonntag. Wie alle Protestanten seiner Tage erkennt er im Antichristen Babylon, die große Hure, also Rom. Babylon hat einen anderen Sabbat, und Christen brechen unter Roms Fahne den biblischen Sabbat. Das kleine Horn hält den Sabbat des Herrn zur falschen Zeit und, so meint Tillam, auch das Mahl des Herrn.

Unter dem Namen Tag des Saturn (engl. Saturday) habe Rom den biblischen Sabbat lange verschleiert.

Doch auch die Offenbarung des Johannes kommt in diesem Zusammenhang in Tillams Buch zum Zuge. Fünfmal spricht er vom Malzeichen des Tieres oder der Hure und entlarvt es als die Veränderung von Zeiten und Gesetzen, nämlich des Sabbats in den Sonntag. Das Malzeichen, so sagt er, befindet sich im Herzen des falschen Dekalogs der Hure, womit er wohl den Katechismus meint, denn dort stünde geschrieben: Gedenke der heiligen Feiertage, dass du sie heiligst.

Dem gegenüber stehen die Treuen, die Gottes Gebote halten, und Tillam weist hier auf Offenbarung 12,17 und 14,12 hin.

Auch sagt er uns, dass laut Daniel 12,4 am Ende der Zeit die Erkenntnis zunehmen werde, und das beziehe sich vor allem auf den Sabbat.

Erstaunlich! Diese Zusammenstellung von Bibelversen in einem so alten Buch zu finden. Ermutigend für uns Adventisten: Die Wahrheit hat eine lange Tradition. Aber es stimmt auch nachdenklich: Wie gut kennen wir uns aus beim Thema Sabbat? Wie fest gegründet sind wir in der Wahrheit? Wir sollten uns an Thomas Tillam ein Beispiel nehmen.

Der Gesamttext des Buches kann im Internet als eingescanntes Original eingesehen werden:
http://de.scribd.com/doc/53171734/The-SeventhDay-Sabbath-Sought-Out-Thomas-Tillam-1657

Quelle: hoffnung-heute.info

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